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Mythos: „Ich darf keinen Zucker mehr essen“

Nach der Diagnose Diabetes Typ 2 entsteht schnell der Eindruck, Zucker sei von nun an vollständig verboten. Manche Menschen versuchen deshalb, jede kleine Menge Zucker zu vermeiden. Ein Stück Kuchen, ein Löffel Marmelade oder etwas Schokolade wird dann mit einem schlechten Gewissen verbunden.

Ein vollständiges Zuckerverbot ist jedoch in den meisten Fällen weder notwendig noch besonders alltagstauglich.

Richtig ist: Zucker gehört zu den Kohlenhydraten und kann den Blutzucker schnell ansteigen lassen. Besonders deutlich ist dies bei größeren Mengen sowie bei Zucker in Getränken. Trotzdem entscheidet nicht ein einzelner Löffel Zucker über den Verlauf des Diabetes.

Wichtig sind vor allem:

  • die aufgenommene Menge,
  • die Häufigkeit des Verzehrs,
  • die gesamte Mahlzeit,
  • die übrige Ernährung,
  • die körperliche Aktivität,
  • und die persönliche Behandlung des Diabetes.

Zucker ist nicht gleich ein Verbot

Eine kleine Menge Zucker kann grundsätzlich Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sein. Es macht jedoch einen Unterschied, ob gelegentlich ein kleines Stück Kuchen gegessen wird oder ob mehrmals täglich Süßigkeiten, gezuckerte Getränke und stark gesüßte Lebensmittel verzehrt werden.

Das Ziel lautet deshalb nicht unbedingt:

„Ich darf nie wieder Zucker essen.“

Eine hilfreichere Regel ist:

„Ich möchte Zucker bewusst auswählen und die Menge möglichst klein halten.“

Die entscheidende Frage ist nicht nur: „Enthält dieses Lebensmittel Zucker?“

Fragen Sie sich zusätzlich:

  • Wie viel davon esse oder trinke ich?
  • Wie häufig kommt es vor?
  • Was gehört sonst noch zu dieser Mahlzeit?

Flüssiger Zucker wirkt besonders schnell

Zuckerhaltige Getränke sind für den Blutzucker besonders ungünstig. Dazu gehören beispielsweise:

  • Limonaden und Cola,
  • Energy-Drinks mit Zucker,
  • gesüßter Eistee,
  • Kaffee oder Tee mit viel Zucker,
  • Fruchtsäfte und viele Smoothies.

Bei solchen Getränken gelangt in kurzer Zeit eine größere Menge Zucker in den Körper. Gleichzeitig sättigen sie meist nur wenig. Es ist deshalb leicht, viele Kalorien und Kohlenhydrate aufzunehmen, ohne sich anschließend wirklich satt zu fühlen.

Wasser, Mineralwasser sowie ungesüßter Tee oder Kaffee sind im Alltag meist die günstigere Wahl.

Honig und brauner Zucker sind ebenfalls Zucker

Honig, Agavendicksaft, Ahornsirup, Kokosblütenzucker und brauner Zucker werden häufig als gesündere Alternativen beworben.

Sie unterscheiden sich zwar in Geschmack, Farbe und Herstellung. Für den Blutzucker ist der Unterschied jedoch meist deutlich kleiner, als die Werbung vermuten lässt. Auch diese Produkte enthalten Zucker und sollten deshalb sparsam verwendet werden.

„Natürlich“ bedeutet in diesem Zusammenhang nicht automatisch „blutzuckerfreundlich“.

Süßes besser bewusst genießen

Wer etwas Süßes essen möchte, kann dies bewusst einplanen. Häufig helfen einfache Veränderungen:

  • eine kleinere Portion wählen,
  • Süßigkeiten nicht ständig sichtbar bereithalten,
  • Süßes nicht aus Gewohnheit, sondern bewusst essen,
  • stark gezuckerte Getränke zuerst reduzieren,
  • ungesüßte Produkte nach und nach weniger süß machen,
  • Süßes eher gelegentlich als mehrmals täglich genießen.

Ein kleines Dessert nach einer ausgewogenen Mahlzeit kann beispielsweise günstiger sein als eine große Menge Süßigkeiten auf nüchternen Magen. Wie stark der Blutzucker reagiert, kann sich jedoch von Mensch zu Mensch unterscheiden.

Auch die Zutatenliste kann helfen

Zucker kann in verarbeiteten Lebensmitteln unter verschiedenen Namen erscheinen. Beispiele sind:

  • Glukose,
  • Fruktose,
  • Saccharose,
  • Dextrose,
  • Maltose,
  • Glukose-Fruktose-Sirup,
  • Fruchtsaftkonzentrat,
  • Honig oder Sirup.

Stehen Zuckerarten weit vorne in der Zutatenliste oder werden mehrere Zuckerarten aufgeführt, enthält das Produkt häufig eine relevante Menge zugesetzten Zucker.

Auf der Nährwerttabelle bezeichnet die Angabe „davon Zucker“ die enthaltenen Ein- und Zweifachzucker. Die Angabe „Kohlenhydrate“ umfasst dagegen auch andere Kohlenhydrate, beispielsweise Stärke.


Merksatz:

Sie müssen Zucker nicht unbedingt vollständig verbieten. Weniger zugesetzter Zucker – besonders in Getränken – ist jedoch ein wirksamer Schritt, um den Blutzucker und häufig auch das Körpergewicht zu unterstützen.


Ein gelegentlicher Genuss macht eine insgesamt günstige Ernährung nicht zunichte. Entscheidend ist, was Sie an den meisten Tagen tun – nicht, ob Sie jede einzelne Entscheidung perfekt treffen.


Eine Serie von: Arvid Voss, Nutrition- & Livecoach | curaFree openlib, 2026/07/22 15:47

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