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Wichtige Blutwerte bei ketogener Ernährung im Blick behalten
Die ketogene Ernährung ist durch eine sehr geringe Kohlenhydratzufuhr, einen moderaten Eiweißanteil und einen vergleichsweise hohen Fettanteil gekennzeichnet. Durch diese veränderte Nährstoffverteilung stellt der Körper seinen Energiestoffwechsel um: Statt hauptsächlich Glukose nutzt er vermehrt Fettsäuren und bildet sogenannte Ketonkörper.
Viele Menschen beobachten unter Keto positive Veränderungen, etwa eine Gewichtsabnahme, stabilere Blutzuckerwerte oder weniger Heißhunger. Gleichzeitig kann die Ernährungsumstellung bestimmte Stoffwechselprozesse beeinflussen. Deshalb ist es sinnvoll, einige Blutwerte regelmäßig kontrollieren zu lassen – insbesondere bei längerfristiger ketogener Ernährung, Vorerkrankungen oder der Einnahme von Medikamenten.
Welche Blutwerte sind bei Keto besonders wichtig?
Blutzucker und HbA1c
Die Werte für Nüchternglukose und HbA1c geben Aufschluss über den Zuckerstoffwechsel.
Der Nüchternblutzucker zeigt, wie hoch der Blutzucker nach mehreren Stunden ohne Nahrungsaufnahme ist. Der HbA1c-Wert bildet dagegen den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen etwa acht bis zwölf Wochen ab.
Eine ketogene Ernährung kann den Blutzucker bei vielen Menschen senken. Das kann grundsätzlich erwünscht sein, bei Personen mit Diabetes jedoch zu Unterzuckerungen führen – vor allem, wenn gleichzeitig Insulin oder bestimmte blutzuckersenkende Medikamente eingenommen werden.
Bei Diabetes sollten Blutzuckerwerte daher engmaschiger kontrolliert und Medikamente nur in ärztlicher Absprache angepasst werden.
Cholesterin und andere Blutfette
Zu den wichtigsten Kontrollwerten gehören:
- Gesamtcholesterin
- LDL-Cholesterin
- HDL-Cholesterin
- Triglyceride
- Non-HDL-Cholesterin
Unter einer ketogenen Ernährung sinken die Triglyceride bei vielen Menschen, während das HDL-Cholesterin ansteigen kann. Das LDL-Cholesterin kann jedoch gleich bleiben oder deutlich zunehmen. Dieser Anstieg ist nicht bei allen Personen gleich ausgeprägt und hängt unter anderem von Genetik, Gewichtsverlauf, körperlicher Aktivität und der Auswahl der Fette ab.
Eine sehr fettreiche Keto-Ernährung mit großen Mengen Butter, fettem Fleisch, Wurst und stark verarbeiteten Produkten kann sich bei manchen Menschen ungünstig auf das LDL-Cholesterin auswirken. Häufig günstiger ist eine Fettzufuhr mit mehr Olivenöl, Nüssen, Samen, Avocado und fettem Fisch.
Bei auffälligen Blutfetten können zusätzlich ApoB und einmalig Lp(a) bestimmt werden. ApoB kann helfen, die Anzahl bestimmter atherogener, also potenziell gefäßschädigender, Lipoproteinpartikel besser einzuschätzen. Die Werte sollten immer im persönlichen Gesamtrisiko betrachtet werden – beispielsweise zusammen mit Blutdruck, Rauchen, familiärer Vorbelastung und bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung.
Nierenwerte
Die Nieren sind an der Regulation von Flüssigkeit, Elektrolyten und verschiedenen Stoffwechselprodukten beteiligt. Kontrolliert werden insbesondere:
- Kreatinin
- geschätzte glomeruläre Filtrationsrate, kurz eGFR
- Harnstoff
- bei erhöhtem Risiko: Albumin im Urin
Eine ketogene Ernährung kann durch die veränderte Flüssigkeits- und Salzverteilung den Wasserhaushalt beeinflussen. In der Anfangsphase verlieren manche Menschen vermehrt Wasser und Elektrolyte. Bei unzureichender Flüssigkeitszufuhr oder bestehenden Nierenproblemen kann das belastend sein.
Auch die Harnsäure kann während der Umstellung vorübergehend ansteigen. Das ist besonders relevant für Menschen mit Gicht oder einer Neigung zu Harnsäure- beziehungsweise Nierensteinen.
Bei einer bekannten Nierenerkrankung sollte eine ketogene Ernährung nicht ohne ärztliche Begleitung begonnen werden.
Elektrolyte: Natrium, Kalium und Magnesium
Natrium, Kalium und Magnesium spielen eine wichtige Rolle für Muskeln, Nerven, Flüssigkeitshaushalt und Herzrhythmus.
Gerade in der Anfangsphase einer ketogenen Ernährung kann der Körper mehr Wasser und damit auch Elektrolyte ausscheiden. Mögliche Folgen sind:
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Müdigkeit
- Muskelkrämpfe
- Herzklopfen
- niedriger Blutdruck
- allgemeine Schwäche
Bei entsprechenden Beschwerden können Natrium, Kalium und Magnesium im Blut kontrolliert werden. Eine eigenständige Einnahme hoch dosierter Kaliumpräparate ist jedoch nicht empfehlenswert. Besonders bei eingeschränkter Nierenfunktion oder der Einnahme bestimmter Blutdruck- und Herzmedikamente kann zu viel Kalium gefährlich werden.
Leberwerte
Die Leber ist maßgeblich am Fett- und Energiestoffwechsel beteiligt. Sinnvolle Laborwerte sind unter anderem:
- ALT beziehungsweise GPT
- AST beziehungsweise GOT
- Gamma-GT
- gegebenenfalls Bilirubin
Bei Menschen mit einer Fettleber kann eine Gewichtsabnahme die Leberwerte verbessern. Eine sehr fettreiche, kalorienreiche und gleichzeitig unausgewogene Ernährung kann die Leber jedoch auch belasten. Deshalb sollte Keto nicht automatisch mit „unbegrenzt viel Fett“ gleichgesetzt werden.
Leberwerte sind besonders wichtig, wenn bereits eine Fettleber, eine Lebererkrankung, ein hoher Alkoholkonsum oder die Einnahme potenziell leberbelastender Medikamente besteht.
Ketone und Beta-Hydroxybutyrat
Ketonkörper entstehen, wenn der Körper vermehrt Fett zur Energiegewinnung nutzt. Der wichtigste Blutketonkörper ist Beta-Hydroxybutyrat.
Bei einer Ernährungsketose liegen die Blutketone häufig in einem niedrigen bis moderaten Bereich. Die genaue Höhe hängt unter anderem von der Kohlenhydratzufuhr, der individuellen Stoffwechsellage, Bewegung, Fasten und der Kalorienzufuhr ab.
Für gesunde Menschen ist eine regelmäßige Messung der Ketone meist nicht zwingend erforderlich. Sie kann jedoch bei bestimmten therapeutischen ketogenen Ernährungsformen oder bei Diabetes relevant sein.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer beabsichtigten Ernährungsketose und einer diabetischen Ketoazidose. Bei sehr hohen Ketonwerten in Verbindung mit hohem Blutzucker, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, tiefer Atmung, starker Schwäche oder Verwirrtheit ist sofort medizinische Hilfe erforderlich.
Menschen mit Diabetes, die SGLT2-Hemmer einnehmen, sollten eine ketogene Ernährung nur nach ärztlicher Rücksprache durchführen, da das Risiko einer Ketoazidose auch bei nicht stark erhöhtem Blutzucker bestehen kann.
Schilddrüsenwerte
Eine starke Kalorienreduzierung oder eine langfristig sehr einseitige Ernährung kann den Schilddrüsenstoffwechsel beeinflussen. Bei bestehenden Schilddrüsenerkrankungen oder neuen Beschwerden kann eine Kontrolle von TSH und gegebenenfalls fT4 sinnvoll sein.
Mögliche Beschwerden, die ärztlich abgeklärt werden sollten, sind:
- anhaltende Müdigkeit
- Frieren
- Konzentrationsprobleme
- Haarausfall
- trockene Haut
- ungewöhnliche Gewichtsentwicklung
- Herzrasen oder innere Unruhe
Nicht jede Veränderung eines Schilddrüsenwertes bedeutet automatisch eine Erkrankung. Die Ergebnisse sollten immer zusammen mit den Beschwerden und der individuellen Ernährungssituation beurteilt werden.
Wann sollte man Blutwerte kontrollieren lassen?
Eine sinnvolle Vorgehensweise kann sein, vor Beginn einer längerfristigen ketogenen Ernährung ein Basislabor durchführen zu lassen. Nach etwa acht bis zwölf Wochen kann eine zweite Kontrolle zeigen, wie der Körper auf die Ernährungsumstellung reagiert.
Je nach Ergebnissen reicht anschließend möglicherweise eine jährliche Kontrolle. Bei auffälligen Werten, Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme können kürzere Abstände notwendig sein.
Ein mögliches Basislabor umfasst:
- Nüchternglukose und HbA1c
- Gesamtcholesterin, LDL, HDL und Triglyceride
- Kreatinin und eGFR
- Harnstoff und Harnsäure
- Natrium, Kalium und Magnesium
- GPT, GOT und Gamma-GT
- TSH bei entsprechender Vorgeschichte oder Beschwerden
- gegebenenfalls ApoB, Lp(a) und Urin-Albumin
Für wen ist eine ärztliche Begleitung besonders wichtig?
Eine ketogene Ernährung sollte insbesondere bei folgenden Personengruppen vorher ärztlich besprochen werden:
- Menschen mit Diabetes
- Personen, die Insulin, Sulfonylharnstoffe oder SGLT2-Hemmer einnehmen
- Menschen mit Nieren- oder Lebererkrankungen
- Personen mit Krebserkrankunegn
- Personen mit Gicht oder wiederkehrenden Nierensteinen
- Menschen mit erhöhten Cholesterinwerten oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Schwangere und Stillende
- Jugendliche und Kinder
- Personen mit einer aktuellen oder früheren Essstörung
Blutwerte liefern wichtige Hinweise, können aber die gesamte gesundheitliche Situation nicht allein beurteilen. Ernährung, Bewegung, Schlaf, Blutdruck, Gewichtsentwicklung, Medikamente und persönliche Risikofaktoren sollten immer gemeinsam betrachtet werden.
Fazit
Eine ketogene Ernährung kann den Blutzucker, die Blutfette, den Flüssigkeitshaushalt und den gesamten Energiestoffwechsel verändern. Besonders wichtig sind deshalb Kontrollen von Blutzucker und HbA1c, Cholesterin und Triglyceriden, Nieren- und Leberwerten sowie den Elektrolyten.
Wer Keto langfristig praktiziert, sollte die Ernährung regelmäßig überprüfen lassen und nicht nur auf das Körpergewicht oder die gemessenen Ketone achten. Eine Kontrolle vor Beginn und nach etwa acht bis zwölf Wochen schafft eine gute Grundlage, um mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen und die Ernährung gegebenenfalls anzupassen.
Autor: F.Oberhauser
Tags: Keto blutwerte ernährung ernaehrung ketogen
